Markenhistorie
Die folgenden Angaben sind zu Recherchezwecken zusammengetragen
(u.a. aus öffentlich zugänglichen Quellen) und dienen der
Einordnung der Fundstücke in diesem Archiv.
Gruendung
Die Marke Pit Bull entstand 1989 in Frankfurt am Main, wo die Gründer
zunächst ein eigenes Ladengeschäft in der Allerheiligenstrasse
betrieben, um dort ihre Textilien zu verkaufen.
Trennung und Namensaufteilung
Die ursprünglichen Inhaber trennten sich zu einem späteren
Zeitpunkt. Einer von ihnen wanderte in die USA aus und gründete dort
ein eigenes Unternehmen unter ähnlichem Namen (Pit Bull West Coast).
Die verbleibende deutsche Gesellschaft wurde von einer GbR in eine
GmbH umgewandelt.
Popularitaet ab den 90ern
Ab der zweiten Hälfte der 1990er Jahre wuchs die Bekanntheit der
Marke deutlich, insbesondere bei jugendlichen Käuferinnen und
Käufern. Neben Bekleidung wurde das Sortiment im Laufe der Zeit auch
um Schmuck, Deko-Artikel, Bücher, Tonträger und Zubehör für
Haustiere erweitert.
Kontroversen
Die Marke war zeitweise Gegenstand öffentlicher Diskussion: An
einzelnen deutschen Schulen wurde das Tragen von Kleidungsstücken
mit Pit-Bull-Aufdruck durch die Schulleitung untersagt, teils mit
Verweis auf eine vermutete Nähe zu rechtsextremen Zusammenhängen.
Ein zeitweiliges Trageverbot für Angehörige der Berliner Polizei
wurde 2009 wieder aufgehoben. Einordnungen dazu variieren je nach
Quelle – für dieses Archiv sind solche Presseberichte selbst
Teil des Fundmaterials und können unter Downloads ergänzt werden,
sobald Scans vorliegen.
Interview mit Kaya Budak (Mitgründer)
Telefoninterview, ca. 34 Minuten, geführt vom Archiv-Betreiber (Archiv-Besitzer)
mit dem Mitgründer von Pit Bull Germany. Das Gespräch wurde mit
Einverständnis aufgezeichnet und hier niedergeschrieben; leichte
sprachliche Glättungen, inhaltlich unverändert. Aussagen sind die
persönliche Sicht des Interviewten und nicht unabhängig belegt.
00:00Kaya Budak
Machen Sie das mit mehreren Labels oder jetzt...?
00:02Archiv-Besitzer
Nein, nein, richtig, nur jetzt für Pitbull, ja. Richtig.
00:07Kaya Budak
Und wie kommt das starke Interesse zustande?
00:10Archiv-Besitzer
Also, über Freunde habe ich Pitbull sozusagen kennengelernt. Und ich bin auch ein Fan von – ich will jetzt nicht sagen älterer Kleidung, aber schon so die frühere Zeit der Klamotten. Und da habe ich dann halt versucht zu recherchieren über die Firma Pitbull und habe gemerkt, dass es nicht mehr wirklich viel, wenn man jetzt grob einfach nur im Internet sucht, nicht mehr viel verfügbar ist. Und deswegen habe ich angefangen tiefer zu graben und habe auch einiges über die Geschichte von Pitbull gefunden: alte Webseiten, Fotos, Videos. Und das hat mich irgendwie sehr interessiert.
00:52Kaya Budak
Okay. Dann fragen Sie doch mal.
00:54Archiv-Besitzer
Okay. Also erst mal würde ich fragen, ob es Sie stört, wenn ich das Telefonat aufnehme, dass ich das später einfach nur als Information niederschreibe. Ich werde jetzt auch nicht das Telefonat teilen oder so.
01:09Kaya Budak
Das stört mich nicht.
01:10Archiv-Besitzer
Okay. Gut, dann eine Sekunde. Gut. Dann würde ich einmal anfangen. Die erste Frage ist: Wie wurde Pitbull Germany eigentlich gegründet?
01:25Kaya Budak
Pitbull Germany wurde gegründet von Achim Langer und mir 1994. Wir betrieben den Laden fünf Jahre, und in der Zeit hat sich die Nachfrage so immens erhöht, dass am Wochenende Leute aus Norddeutschland kamen und die bei uns im Laden Schlange standen. Also Norddeutschland, Mitteldeutschland und so weiter, ja?
01:59Kaya Budak
Und so ging das dann los, dass wir gemerkt haben, das können wir vom Laden aus nicht mehr bedienen. Und dass es eine Chance ist, um ein Merchandise aufzubauen. Und das taten wir dann. Wir haben uns Mieträume gesucht hier in Frankfurt, ein altes Fabrikgelände, was gerade stillgelegt wurde. Das waren die alten Diskoswerke, das war eine Schleifmaschinenfabrik. Die haben hauptsächlich nach Russland verkauft. Das ist ja zusammengebrochen, das russische Reich sozusagen oder das sowjetische Reich. Und da ist die Firma auch pleitegegangen.
02:45Kaya Budak
Und da waren dann eben Mieträume frei. Da waren wir jahrelang auch nur die ersten Mieter und konnten da schalten und walten, wie wir wollten. Am Ende hatten wir ca. 2000 Quadratmeter Mietfläche da, so bis nach 20 Jahren dann, ja? Aber wir haben es so sukzessive aufgebaut, ehrlich aufgebaut. Wir haben gemerkt, die Nachfrage steigt immer weiter. Und so haben wir dann 94 – nee, Anfang 95 – unseren ersten Katalog an den Start gebracht.
03:18Archiv-Besitzer
Mhm. Okay. Wie entstand denn eigentlich die Idee für Pitbull Germany oder wie fiel denn eigentlich der Name auf die Firma Pitbull?
03:30Kaya Budak
Das war die Idee von meinem Partner Achim. Der hatte die Idee für Pitbull. Und gezeichnet hat das damals ein Offenbacher Grafikbüro. Die hießen damals „Die Brut“. Die haben das gezeichnet, die haben das designt. Ja, und das war 88.
03:59Archiv-Besitzer
Okay. Die haben dann auch weiter sozusagen die Designs für die Kollektion gemacht und für die Kleidung?
04:05Kaya Budak
Nein, nein, nein. Die hatten gar nichts mehr damit zu tun. Die haben nur dieses Logo gezeichnet. Das war’s. Und die Designs im Laufe der Jahre waren viele unterschiedliche Künstler.
04:21Archiv-Besitzer
Okay. Wie groß war denn eigentlich das Unternehmen so an seinem Höhepunkt? Meinen Sie jetzt die Quantität der Mitarbeiter oder auf was zielen Sie ab?
04:34Kaya Budak
Ja, einfach so die Beliebtheit, so wie viele Leute dann eigentlich eingekauft haben.
04:39Kaya Budak
Weltweit. Ich habe in die ganze Welt verkauft. Bis nach Japan und überall hin. Gut, das war Europa sowieso. Wir hatten dann auch in kürzester Zeit dann auch Europa-Markenschutz in Europa und haben dann auch sukzessive einige Länder auch dann noch rechtlich absichern lassen.
05:00Archiv-Besitzer
Mhm. Genau. Wo wurde denn eigentlich die Kleidung produziert?
05:08Kaya Budak
Produziert wurde, wie das eben auch üblich ist in der Branche, in Portugal, in Bangladesch, in der Türkei, auch in China. Aber wir haben immer stets über Agenten produziert. Das heißt, über Agenten – klar, dann ist die Kleidung partiell teurer pro Stück, ja? Aber man ist versicherungstechnisch da praktisch abgesegnet, abgedeckt, weil man hat als kleines Unternehmen – und Pitbull hat ja nur, obwohl wir natürlich schon, wenn ich jetzt Stückzahlen sagen würde, sagen Sie „Oh viel“, aber das ist für Textilproduktion nichts gewesen, ja?
05:58Kaya Budak
Und deswegen wird man dann auch auf dem Markt nicht ernst genommen. Und das kannst du nur mit Agenten abfangen, die auch noch andere Firmen betreuen und da größere Stückzahlen eben platzieren können und da auch dann überhaupt einen vernünftigen Preis bekommen. Ja, also Produktionsstätten weit verbreitet.
06:20Kaya Budak
Aber wir haben natürlich unsere Grundware haben wir von einem namhaften Label praktisch anfertigen lassen für uns. Das war Jerseys. Jerseys hat für uns – und die produzieren ja in vielen Ländern der Welt, das ist auch egal – die gehen dann da hin und nehmen ihr komplettes Know-how mit, gehen dahin und sagen: „Hier, wir müssen jetzt für Pitbull 20.000 T-Shirts produzieren“, ja? Und die haben das dann für uns gemacht.
06:56Kaya Budak
Das haben wir deswegen gemacht, weil die einwandfreie Ware hatten. Ich hatte über die ganzen Jahre nicht ein einziges Ausschussteil von denen. Und ich möchte nicht wissen, wie viele Hunderttausende von Shirts wir da durchgeschleust haben.
07:12Archiv-Besitzer
Ja, und ich muss auch sagen, die Qualität hält bis heute sehr gut auf.
07:15Kaya Budak
Das ist es! Das war unser Augenmerk. Weil irgendwo muss ja eine Ehrlichkeit da sein gegenüber dem Kunden. Wenn man schon, was weiß ich, damals 25 Euro oder 30 Euro bezahlt hat für ein Shirt – klar, da ist natürlich ein Aufdruck drauf und du hast natürlich auch eine Corporate Identity mit, und da ist eben eine Marke, ja? Dann kostet ein Shirt natürlich mehr wie beim Kik. Aber es soll trotzdem irgendwo... unser Ziel, Zielgruppe war ja die asoziale Randgruppe. Und asozial jetzt nicht wegen asozial, sondern außerhalb der Gesellschaft stehend.
07:56Kaya Budak
Und ja, und da dachten wir, die Leute haben eh nicht so viel Geld, aber wenigstens müssen wir denen Ware liefern, die die, wenn sie sie ordentlich waschen, 20, 30 Jahre haben können. Ja, und so ist es auch. Das war unser Augenmerk und das fällt mir bis heute positiv auf die Füße, weil es gibt so viele Leute, die haben noch Sachen von den 80ern. Und das ist einfach dem geschuldet, dass wir immer auf hochwertige Qualität gearbeitet haben: rundgesponnen, mit Nackenband und so weiter. Genau.
08:30Archiv-Besitzer
Da war ich ja auch sehr verblüfft, weil es ja wirklich viele Läden heutzutage gibt, wo man das Shirt einmal durch die Wäsche jagt und dann ist das ganze Bedruckte einfach schon kaputt, aufgelöst. Und hier hält es halt einfach sehr gut auch schon nach so einer langen Zeit.
08:48Kaya Budak
Richtig. Da labbert kein Kragen aus und nichts. Und deswegen haben wir uns damals recht früh für den Produzenten entschieden. Und da sind wir gut mit gefahren. Der hat uns die Roh-Textilien, die Grundware, hat der uns geliefert, die wir fürs tägliche Geschäft gebraucht haben. Ob das jetzt Känguru-Kapus waren oder Reißverschlussjacken, Kapus oder T-Shirts, Sweatshirts – der hat uns die Grundware geliefert, die wir dann haben hier bei unseren internen Druckern und Druckern, die eben regional waren, die haben die uns dann veredelt.
09:30Kaya Budak
Außer wir haben spezielle Ware gemacht. Irgendwann ging es ja los mit extravaganten Dingern. Wir hatten ja irgendwann einen Katalog von 250 Seiten und alles war lieferbar. Und da ist natürlich auch Sachen, die kannst du nicht einfach von der Stange kaufen und bedrucken. Da kommen dann Sticks drauf, das sind die Ärmel weiß, der Rumpf ist schwarz und so weiter. Und das muss natürlich komplett in der Produktion angefertigt werden. Und das haben wir alles immer über Agenten gemacht.
10:04Kaya Budak
Und haben da auch gut mit gefahren, weil ich kann mich an eine Produktion erinnern für ein großes Katalogprojekt: Der Katalog geht raus, die Ware kommt an und die Hälfte war Schrott. War versaut vom Produzenten. Und da hat es sich bezahlt gemacht, dass wir einen Agenten hatten, weil der war komplett haftungsweg, ja? Das war dem sein Verschulden und da musste er nachproduzieren und so weiter. Das ist zwar bei uns geblieben, aber das war eben der Deal. Dass wenn du nicht aufpasst, ist das auf deiner Seite. Da musst du einfach in den Geldbeutel greifen später. Wenn du keinen richtigen Kontakt hast zu deinen Produzenten... Das heißt, die Produzenten haben ja uns nicht verarscht, sondern ihn da. Meine, da kommt dann Ware aus Fernost, das sind dann LKWs, und da ist die Hälfte nicht brauchbar. Da kann man sich vorstellen, was das für ein Kostenfaktor ist. Allein schon die Vernichtung dann davon von unserer Seite aus für den Schrott, der da nicht brauchbar war.
11:15Archiv-Besitzer
Mhm. Okay. Ja, wir haben ja gerade noch mal die Kataloge erwähnt. Wie viele Kataloge wurden denn eigentlich insgesamt veröffentlicht?
11:24Kaya Budak
Elf. Elf Kataloge. Weil wir tatsächlich... ja, auch diese Kataloge sind ja eigentlich – wenn man an ein Textilunternehmen denkt, dann machen die Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter oder auf alle Fälle zwei Kataloge. Wir haben einen Katalog zwei Jahre lang laufen lassen. Weil wir ja keine in dem Sinne Sommer-Winter-und-so-weiter-Mode gemacht haben. Unsere Kataloge sind immer zwei Jahre gelaufen.
11:58Archiv-Besitzer
Okay. Genau. Sie haben ja auch schon erwähnt, wo ich gesagt habe, dass die Beliebtheit ein wenig gestiegen ist wieder und die Bekanntheit, dass die Fake-Klamotten sehr groß waren. Waren die auch früher schon so bekannt?
12:13Kaya Budak
Früher war das massiv. Ja, wir haben mit dem Zoll zusammengearbeitet und da wurden etliche Container wurden beschlagnahmt an Plagiaten. Und auch heute noch bekomme ich immer wieder Mails und da zeigt mir jemand was: „Ist das echt?“ Und dann schreibe ich: „Schau es dir doch an. Du siehst doch sogar, dass das Logo gar nicht symmetrisch ist. Ist doch verzogen.“ Also die kriegen es immer noch nicht hin, richtig das Logo zu sticken oder zu drucken.
12:50Kaya Budak
Also es gibt immer noch genug Klamotten, die eben so schlecht produziert sind. Wahnsinn, dass das die Leute überhaupt kaufen, fand ich schon immer verblüffend. Das waschen die dreimal, außerdem sieht man’s auch. Ein Pitbull-Kenner sieht: Das ist nicht das Logo. Das ist falsch, das ist verzogen.
13:08Kaya Budak
Und ja, gut, was viel früher war, auf diesen Vietnam-Märkten in Berlin, im Osten eben, da war viel Plagiat zu finden. Und aber auch eben groß angelegt mit wirklich containerweise, ja.
13:28Archiv-Besitzer
Ja. Derzeit wird vieles in der Nähe von Russland und in der Ukraine... sind sehr viele Klamotten derzeit gelandet. Und darunter zählen halt auch Plagiate und es wird halt alles ein bisschen so in die gleiche Menge geschmissen.
13:46Kaya Budak
Ja, ja, das vermischt sich jetzt immer mehr, klar. Richtig.
13:51Archiv-Besitzer
Genau. Bei meiner Recherche habe ich auch gesehen, dass Pitbull sein eigenes Label hatte: Pitbull Records.
13:57Kaya Budak
Richtig. Ja, wir hatten ein eigenes Label, wir haben eigene Musik gemacht. Und ja, das war ein schönes Projekt. Hat Spaß gemacht. War jetzt nicht irgendwie kommerziell groß, ja? Das war einfach... aber ist uns gut gelungen. Die Scheibe höre ich mir immer noch mal gerne an, die war einfach mal was ganz anderes.
14:26Archiv-Besitzer
Wer hatte denn die Idee dazu eigentlich?
14:28Kaya Budak
Das war eine Idee vom Achim.
14:31Archiv-Besitzer
Okay. Wie viele Leute waren denn eigentlich so bei Pitbull Records dabei?
14:36Kaya Budak
Bei Pitbull Records? Ja, gut, das waren eben Texter, das waren Rapper. Also ich würde sagen, was haben wir da für ein Ding gehabt? Das waren vielleicht so sechs Leute. Mehr war das nicht.
14:57Archiv-Besitzer
Okay. Also es wurden jetzt auch nicht viele CDs dann sozusagen veröffentlicht?
15:02Kaya Budak
Nee. Wir hatten richtig... wir haben ja eine richtige GEMA-Nummer und wir haben schon eine schöne Stückzahl produziert, die ist dann über die Jahre auch alles weggegangen, ja? Aber dann in unser Schrift-und-Bilderwerk mit aufgenommen, sprich Katalog, und dann wurde die bestellt.
15:23Archiv-Besitzer
Gibt es irgendwelche unveröffentlichten Songs oder so, die dann später einfach nicht dazu gekommen sind in den CDs?
15:29Kaya Budak
Nee.
15:33Archiv-Besitzer
Okay. Gut. Also für die Archivzwecke: Haben Sie zufällig noch die originalen Dateien oder so für die Songs oder CDs?
15:43Kaya Budak
Nein. Ich habe noch – natürlich habe ich noch CDs davon, ja, das ist richtig. Die habe ich noch, aber ich habe keine jetzt irgendwelchen Studioaufnahmen oder so was. Das habe ich nicht.
15:59Archiv-Besitzer
Genau. Wenn wir gerade noch Achim Langer erwähnt haben: Haben Sie noch Kontakt mit ihm?
16:09Kaya Budak
Nein. Ich habe leider keinen Kontakt mehr mit ihm. Wir haben uns in einem anderen Thema haben wir uns verworfen. Ah, okay. Gut. Eine Sekunde. Genau. Gibt es noch irgendwo... also nachdem... eine Sekunde, ich muss mich kurz sortieren.
16:36Kaya Budak
Kein Problem. Ist das erste Mal, dass ich so ein Interview führe.
16:43Archiv-Besitzer
Genau. Was ich gerade gefragt habe für das Archiv: Also ich bin ja derzeit dabei, das Archiv zu bauen, und ich suche immer noch Dateien, alte Fotos, Kleidungsstücke. Haben Sie vielleicht da irgendwas noch, was mir vielleicht helfen könnte? Also haben Sie noch alte Dokumente, Fotos, Dateien auf dem PC irgendwo?
17:08Kaya Budak
Hm, da müsste ich direkt mal recherchieren. Das könnte ich jetzt aus dem Stegreif gar nicht beantworten. Okay. Ja, das könnte ich mal tun. Was es da noch so gibt von unseren Partys – wir haben ja noch Pitbull-Partys gemacht und so. Ja, kann sein, ja, dass da noch einiges aufzufinden ist. Müsste ich mal stöbern bei Gelegenheit.
17:36Archiv-Besitzer
Mhm. Okay. Gut. Wie viele Artikel von Pitbull haben Sie eigentlich selber noch?
17:45Kaya Budak
Nicht mehr viel. Ja, ehrlich gesagt, nicht mehr viel. Ich habe das meiste abverkauft oder verschenkt, was ich noch nach Schließung von Pitbull Germany und Schließung des Ladens dann gemacht habe. Da ist nicht mehr viel übrig. Das kriege ich auch über eBay immer wieder: „Ach schade, und hast du noch was?“ Nee, da ist nichts mehr da. Also ich habe noch ein paar Ringe und Feuerzeuge und so ein bisschen Merchandise noch, ja? Aber ansonsten geht das immer weiter dem Ende zu.
18:27Archiv-Besitzer
Okay. Dadurch, dass ja Pitbull dann irgendwann auch bekannter wurde, erst recht in Frankfurt, wurden dann auch irgendwo zum Beispiel Werbungen geschaltet oder wurde irgendwo plakatiert oder Sonstiges?
18:37Kaya Budak
Ja, Werbung haben wir geschaltet seit Beginn 95. Wir waren vertreten in der Biker News. Da waren wir, glaube ich, 20 Jahre lang jeden Monat. Und später auch im Tattoo-Magazin, eben Magazine, die eben auch die Zielgruppe darstellen, ja? Und das war eigentlich ausreichend. Klar gab’s immer noch mal weitere Werbepartner, andere Magazine und so weiter, das ist klar. Aber die Hauptwerbung ist über diese beiden Magazine gelaufen, die ja auch in der Zeit eine starke Verbreitung hatten. Die hatten große Auflagen in Deutschland und das war ja auch die Szene: die Rocker-Szene, die Tattoo-Szene und so weiter.
19:30Kaya Budak
Wir sind auch am Anfang auf viel Messen gefahren, ja? Das heißt, wir haben am Wochenende unseren Unimog gepackt und sind dann zack zur Messe gefahren, haben dort Stände gemacht. Und das war so die ersten zwei Jahre, drei Jahre haben wir das... habe ich das... das war so mein Job, das habe ich gerne gemacht. So diese Öffentlichkeitsarbeit, Arbeit an der Front, fand ich toll. Und das wurde auch wirklich... die haben uns die Stände immer leergeräumt hier. Produkte... voller Unimog hin und halb leer dann oder noch leerer dann zurück, ja.
20:09Archiv-Besitzer
Okay. Ja, wenn man gerade so über die Bekanntheit redet, was natürlich auch nicht auszulassen ist, sind natürlich politische Gruppen.
20:17Kaya Budak
Ja, ja, klar. Politische Gruppen, die haben uns das Kreuz gebrochen. Das ist richtig. Weil dadurch kamen wir niemals aus dem Underground-Label-Status heraus. Weil da gibt’s in Deutschland Gremien wie der Deutsche Werberat. Der hat dann verboten, dass wir Werbung machen durften. Das heißt, du kannst kein Magazin, kein Magazin nimmt dich mehr, ja? Solche Dinge kamen dann.
20:43Kaya Budak
Die haben uns ja... die haben uns als Nazis praktisch angesehen. Dabei war meine Firma mit Jugo, Kroatener... ich bin selbst halb Türke, der Achim ist Pole, halb Pole. Also wir haben mit der ganzen Scheiße nie was zu tun gehabt. Haben aber damit kokettiert, ja, ein bisschen in unseren Schrift- und Bilderwerken. Das hatten wir schon bisschen national angehaucht. Das wurde natürlich dann aufgebauscht und daraus wurde dann Nazi gemacht.
21:13Kaya Budak
Und was natürlich der auslösende Faktor war: Es gab einen Spiegel-Bericht und da war Nazi-Aufmarsch und da hatten die Hälfte unsere Klamotten an. Okay. Ich meine, das kann ich nicht beeinflussen, das war nicht zu manipulieren. Das haben die Leute von sich aus getan, ist ja frei verkäuflich. Aber dann wurde es eben so dargestellt: „Wir sind ein Nazi-Label“, ja.
21:44Kaya Budak
Ja, natürlich. Das war... ja. Wir haben natürlich die ersten Motive mit Springerstiefel und so, der Hund zwischen den Beinen mit der Kette, die da reißt, und so weiter. Wo ich ja auch noch ein... wo ich noch Kettenanhänger habe, oder besser gesagt ja... und „Final Attack“ hieß das Motiv, das weiß ich noch. Das hat natürlich dazu geführt, dass eben auch die Leute drauf reflektiert haben, ja? Das war im Endeffekt haben wir nicht aufgepasst, war unsere Schuld, ja? Ganz klar. Und dann haben da Leute Bock drauf gehabt. Das war alles ein bisschen martialisch. Wir waren ja das erste Label in der Richtung, ja? Danach kamen dann Troublemaker und wie sie alle hießen, Dobermann Deutschland und die alle versucht haben, auf den Zug aufzuspringen, ja? Aber die konnten uns natürlich alle nicht das Wasser reichen und waren da auch irgendwann schnell wieder weg.
22:37Archiv-Besitzer
Ja. Ich habe ja auch einmal in einem Prospekt gesehen, dass einmal – ich bin mir gar nicht sicher, in welchem das war – dass einmal auf der Seite von Terror-Miezen eine Schwarze Sonne war, die dann zensiert wurde.
22:53Kaya Budak
Ja, könnte das sein, ja. Aber abgewandelt oder...?
23:01Archiv-Besitzer
Na ja, das war einfach – eine Sekunde, ich kann ja einmal schnell schauen. Genau, das war einfach auf der Seite von einem Terror-Miezen-Prospekt war dann einfach das Logo von der Schwarzen Sonne, wo einfach ein Zensiert-Block rüber geworfen wurde.
23:26Kaya Budak
Wer hat den rüber geworfen? War das so im Katalog?
23:30Archiv-Besitzer
Das war so im Katalog. Ach so. In einem Terror-Miezen-Katalog.
23:41Kaya Budak
Ja, kannst mir mal ein Foto schicken?
23:43Archiv-Besitzer
Natürlich. Würde ich mir gerne mal angucken, kann ich mich gar nicht mehr dran erinnern. Ja.
23:51Archiv-Besitzer
Ich würde währenddessen noch mal eine weitere Frage stellen: Wenn Sie heute so an Pitbull und deren Geschichte zurückdenken, was sollte Ihrer Meinung nach dann unbedingt behalten bleiben? Woran sollten sich denn die Menschen dann erinnern?
24:07Kaya Budak
Die Marke hat ja für bestimmte Werte gestanden: für Kameradschaft, Gradlinigkeit, Ehrlichkeit, eben auch so Treue. So das Wesen des Pitbulls eigentlich, ja? Der Pitbull von sich aus ist ja wirklich ein sehr treuer Kamerad, ein treuer Gefährte. Und das war eben auch so die Identifikation, der Name und die Werte dazu, ja? Und dass die Menschen sich einfach... na ja, zu Werten besinnen, ja? Das haben wir auch in manchen Bilderwerken haben wir das auch in der ersten Seite, glaube ich, haben wir da auch praktisch uns darauf eingelassen. Also für was steht Pitbull, ja? Und da haben wir das schön beschrieben.
25:11Archiv-Besitzer
Ich habe Ihnen einmal das Bild gesendet.
25:14Kaya Budak
Ah ja. Guck mal, schaue ich mir mal an. Ah ja, okay. Ah, verstehe. Ja. Ah ja, das war noch geil mit dem Hiltis noch, ja? Mit dem Hiltis. Den Katalog habe ich, glaube ich, gar nicht mehr. Ja, ja, das war die Black Rose Sun, ja.
26:02Archiv-Besitzer
Gut, dann würde ich einmal so an die Endzeit von Pitbull denken. Wann wurde denn der Betrieb eingestellt?
26:15Kaya Budak
Wir haben den Betrieb 2017 eingestellt.
26:21Archiv-Besitzer
Und warum endete das überhaupt mit der Firma?
26:24Kaya Budak
Das endete, weil die Mitarbeiter in Rente wollten und auch sich verändern wollten. Und ich hatte keine Lust mehr auf neue Leute. Okay. Ja, weil das noch mal anfangen mit neuen Leuten und das war irgendwie für mich... und irgendwann ist auch alles hat seine Zeit. Man kann nicht alles, man kann das natürlich ausquetschen und auspressen bis zum Anschlag. Das ist ja lange nicht mehr so, dass Pitbull so eine Nachfrage hat, ja? Alle sagen zwar, die Nachfrage steigt und so weiter, aber das sind ja alles Kleckerzahlen, ja? Das ist ja nichts, wo man da jetzt sagen kann, das ist...
27:19Kaya Budak
Doch, klar, wir hätten... ich hatte auch einen Plan, um Pitbull in die nächste Generation zu bringen, und wollte mich in die Art Martial Arts oder MMA da reinbringen, ja? Und das wurde ja dann auch gemacht praktisch von... weil mein unser anderer Partner, der Alvishausen, der hat das Logo an Polen weitergegeben. Die haben’s ihm aber dann... die haben ihm nie Lizenz dafür gegeben. Dann gab’s einen Markenrechtsstreit, da haben die Polen natürlich verloren und haben dann daraufhin das Logo anders geschrieben in der Stemmschrift, ja? Das heißt nicht mehr dieser unser Zeichen, sondern einfach wie eine Schreibmaschinenschrift, ja? Und das ist dann... und die haben auch richtig Geld reingepumpt und haben sich dann in diese MMA-Szene festgesetzt.
28:22Kaya Budak
Und das war eigentlich mein Plan. Mein Fehler war aber: Ich bin noch mal inhaftiert worden 2010, und da sind mir eben drei Jahre verloren gegangen. Okay. Und da konnte ich das nicht durchziehen. Und in der Zeit hat mein Partner die Firma leider etwas schlecht geführt. Und da noch mal jetzt neu durchzustarten, hatte ich keine Lust mehr drauf. Und er auch nicht. Und ja.
28:55Archiv-Besitzer
Okay. Also wird es sozusagen dann keine Art Comeback geben oder es wird auch nicht von anderen Personen weitergeführt?
29:03Kaya Budak
Nee, nee, nee, nee, nichts mehr, nichts mehr. Wir haben zwar noch Logorechte, ich glaube noch neun Jahre haben wir noch Logorechte.
29:09Archiv-Besitzer
Ich glaube, wo ich nachgeschaut habe, bis 2029.
29:12Kaya Budak
29, ah ja, dann ist’s nicht mehr so lange. Dann sind’s noch drei Jahre und dann hat sich die Sache auch erledigt.
29:21Archiv-Besitzer
Okay. Nach der Schließung, was ist denn eigentlich mit den ganzen Klamotten passiert?
29:29Kaya Budak
Ja, gut, wir haben noch ein Ladenobjekt gemacht. Nach der Schließung haben wir Pitbull Germany in einen Laden gepackt hier im Umkreis von Frankfurt und haben dann da noch abverkauft über den Katalog natürlich oder unsere Homepage. Aber was dann alles übrig war, das habe ich verschenkt. Ja, so, verschenkt und verteilt an Leute, die Bock drauf hatten.
30:01Archiv-Besitzer
Okay. Wenn man heutzutage ja auf die pitbull.de Webseite geht, kommt man ja zu Pitbull West Coast. Wie war denn die Verbindung zwischen Pitbull Germany und Pitbull West Coast?
30:13Kaya Budak
Ja, Pitbull West Coast war unser Partner Volker, der ist ja 89 direkt nach Gründung nach LA emigriert und hat dort Pitbull West Coast gegründet. Und ja, das war in dem Sinne kein Konkurrenzunternehmen und so, ja? Das war einfach ein Teil von uns. Aber der hat eben sein eigenes Ding da gemacht. Da wurde dann ja auch sozusagen das Logo von Pitbull benutzt bei Pitbull West Coast, richtig?
30:54Kaya Budak
Genau, der hat das genau das gleiche Logo benutzt, hat untendrunter West Coast geschrieben. Aber die kamen in der Zeit nie richtig aus dem Start. Er hatte drei, vier Teile, die gingen über Jahre hinweg. Erst wo er dann fremde Leute mit reingenommen hat, andere Leute mit reingenommen hat, die ihm praktisch das Logo dann abgenommen haben, ja? Dann wurde das dann doch verbreitet, wurde der Verkauf doch besser vonstatten als wo er das noch alleine gemacht hat.
31:25Archiv-Besitzer
Okay. Gut. Das wäre es dann auch schon langsam gewesen. Ich hätte dann nur noch eine Frage. Also ich habe jetzt schon vieles zusammengetragen, ich habe ja auch schon vieles online gefunden und an diesen zentralen Punkt versucht zu bringen. Wären Sie grundsätzlich bereit, später mir noch einmal mit einem Mal noch mal mit mir zu sprechen, falls sich jetzt noch neue Fragen ergeben würden?
31:54Kaya Budak
Ich würde sagen, das sollte unproblematisch sein, ja.
31:57Archiv-Besitzer
Okay. Vielen Dank. Dann wäre ich eigentlich jetzt mit meinen Fragen durch, genau.
32:07Kaya Budak
Ja, da würde ich mich freuen, wenn Sie was an den Start bringen wollen, dass Sie mich da vorher mit ins Boot nehmen.
32:13Archiv-Besitzer
Gerne. Dann sage ich Ihnen Bescheid. Derzeit ist die Webseite noch im Aufbau.
32:21Kaya Budak
Ja, toll. Ja, im Endeffekt fühle ich mich auch ein bisschen geehrt, was sich da tut. Schön. Weil das ist ja History, wenn die im Netz irgendwann verankert ist, das ist ja für die Endzeit, ja? Genau. Das ist schön. Eine Frage hätte ich noch: Wissen Sie zufällig, wie ich Kontakt zu Achim Langer kriegen würde?
32:51Kaya Budak
Nein, das kann ich Ihnen leider nicht sagen. Okay. Gut. Weil ich tatsächlich keinen Kontakt mehr zu dem Mann habe. Der ist auch verzogen, der ist weg und hat sich auch bei mir nie mehr gemeldet. Zumal er die Geschäfte... das Geschäft die letzten sieben, acht Jahre gar nicht mehr geführt hat. Da hat er überhaupt gar nichts mehr dabei. Der ist verzogen, der war in Westfalen, in der Nähe der Externsteine, da hat er gelebt und hatte mit dem Geschäftsbetrieb gar nichts mehr zu tun gehabt. Er war ja notwendig gewesen, wo ich weg war, aber hat er leider kläglich versagt.
33:37Archiv-Besitzer
Ja, okay. Gut. Dann vielen Dank. Dann werde ich das einmal alles protokollieren, schreiben und dann kann ich Ihnen gerne Bescheid sagen, wenn ich noch weitere Fragen habe oder wenn die Webseite an Start kommt.
Das Gespräch ging im Anschluss noch um den Austausch privater Kontaktdaten – dieser Teil wurde aus Datenschutzgründen hier nicht wiedergegeben.
34:25Kaya Budak
Also, dann: Gutes Gelingen!
34:27Archiv-Besitzer
Dankeschön.
34:28Kaya Budak
Und einen schönen Sommer weiterhin.
34:30Archiv-Besitzer
Dankeschön, Ihnen auch.
34:31Kaya Budak
Ja, tschüss.
34:32Archiv-Besitzer
Tschüss.
Quellenhinweis
Diese Zusammenfassung basiert auf öffentlich zugänglichen
Sekundärquellen (u.a. Wikipedia-Artikel "Pit Bull (Marke)") und
erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Ergänzungen und
Korrekturen mit Belegen sind willkommen.